Nina Beier & Marie Lund, Carola Bonfili, Claire Fontaine, Alexej Meschtschanow, Ian Tweedy
Fragile Currency
curated by Ilaria Gianni
28.02. – 28.03.2009
Die Vereinnahmung und Verwendung historischer, ihrer ursprünglichen Funktion oder Bedeutung enthobenen Objekte im Kontext aktueller Kunstpraxis steht im Fokus der Ausstellung Fragile Currency. Angesichts einer ungewissen sozio-ökonomischen Lage wo die Gegenwart mit Auflösungserscheinungen und Zukunft mit Unsicherheit behaftet ist, erscheint die Vergangenheit als einzig gesicherte Größe. In der heutigen Kunst gibt es eine verstärkte Tendenz, sich mit Erinnertem und Vergangenem zu beschäftigen. Das fragmentarische, im Übergang befindliche Objekt, der Zustand zwischen 'gewesen sein' und 'werden' ist auch der Kern der ausgewählten Arbeiten von Nina Beier & Marie Lund, Carola Bonfili, Claire Fontaine, Alexej Meschtschanow und Ian Tweedy zu sein.
Grundlage aller bislang gültigen Systeme war die periodische Generierung von Produkten und Bedeutungen, die temporär einen bestimmten Stellenwert einnahmen, diesen aber genauso schnell verlieren konnten. Die Ausstellung Fragile Currency versucht die Natur solcher Residuen und den Charakter, den die Kunst ihnen verleiht, zu analysieren. Nicht in einem nostalgischen Sinne, sondern indem sie die Art und Weise unterstreicht wie das Verlassene, das Vergessene und das Verstossene sich wieder herstellt. Es finden sich neue Konstellationen zusammen, in die es sich im Sinne einer 'fragilen Währung' wieder zu investieren lohnt.
Die Korsetts, Federn und Kämme, Begriffe aus Walter Benjamin's Passagen-Werk (1927–1940) galten als Produktionsvorläufer einer Zeit, die das notwendige Material zu einer Interpretation der historisch politischen Strukturen bestimmten. Analog dazu sind in der Ausstellung Alltagsgegenstände, Fotografien oder Tonspuren versammelt, die von der Zeit zu Überbleibseln degradiert scheinen, durch ihre Bearbeitung und Übertragung aber eine fast erhabene Wirkungskraft erlangen: Währungen von Gestern, welche trotz des Verlustes ihres sozialen Stellenwerts in ihrer Essenz, ihrem 'Sosein', überlebt haben. Sie lassen Spuren einer vergangenen Aufmerksamkeit durchscheinen und werden zu einer Refexion der aktuellen gesellschaftlichen Situation.
Ilaria Gianni (geboren in Rom, 1979) ist Kuratorin und freie Kritikerin. Sie erhielt am Goldsmith College, London ihren MFA in Curating und ist zurzeit Programmdirektorin der Nomas Stiftung in Rom. Sie kuratierte diverse Gruppen- und Einzelausstellungen in der Adriano Olivetti Foundation in Rom, Maze Gallery in Turin, SNUMOA und Gallery Loop in Seoul und Monitor Gallery, Rom. Darüberhinaus war sie Mitbegründerin des Verlagshauses IM Press in London (www.improjectsonline.com) und schreibt regelmäßig für NERO magazine (IT) und Arte e Critica (IT), sowie gelegentlich für Flash Art (IT), Lo Specchio+ (IT) und Circa (IRL). Ilaria Gianni is gegenwärtig als Ko-Kuratorin der Preisjury für junge itlaienische Kunst 'Pagine Bianche d'Autore' engagiert und unterrichtet an der Universität Venedig IUAV.